23. Staffel 10 Episoden
Gefährlich unprofessionell
2004: Zwei km vor Kirksville, Missouri stürzt eine Jetstream 32 in einen Wald ab. Nur eine Person von 14 Insassen überlebt. Die Piloten waren 14 Stunden im Einsatz und besonders der Pilot zeigt alle Anzeichen für Erschöpfung und Plan continuation Bias: er unterhält sich beim Anflug über profane Dinge und beschwert sich über langweilige Copiloten. Eine professionelle Kommandostruktur existiert so nicht länger. Die Piloten flogen einen Nicht-Präzisionsanflug bei schlechter Sichtweite. Sie ignorieren dabei die Einhaltung der Mindestflughöhe und halten statt auf die Instrumente zu schauen nach der Landebahn Ausschau. Die NTSB fordert die FAA dringend auf die seit 1964 nicht überarbeiteten Vorgaben für Arbeits- und Ruhezeiten zu korrigieren.
Tödliche Missverständnisse
1989: Eine Boeing 707 zerschellt beim Anflug auf die Azoren am Berg Pico Alto. Alle 144 Insassen sterben. Beim Kontakt mit dem Tower hatte der Copilot eine falsche Mindestflughöhe verstanden, die vom Lotsen nicht korrigiert wurde und eine Wiederholung der Angabe ging durch die Überlappung zeitgleicher Nachrichten verloren. Außerdem hatte der Fluglotse in Ausbildung eine falsche Altimeterangabe durchgegeben, seine Supervisorin war am Telefon, durch die Anwesenheit einer Stewardess gab es kein steriles Cockpit und die Crew reagiert nicht auf das Ground Proximity Warning System: Independent Air nutzte für das Training keine eigenen Flugsimulatoren und hatte somit häufig durch Voreinstellungen falsche Alarme. Insbesondere dieser Punkt wurde durch die Behörden adressiert.
Tragödie über Japan
Siehe auch Episode 15. 1985: Eine Boeing 747-100SR von Tokio ist nach einem Druckverlust nicht mehr steuerbar – die Hydraulik ist komplett ausgefallen. Durch Turbinenregulierung schaffen die Piloten es trotzdem fast zurück zum Ausgangsflughafen, und auch einen Sturzflug abzufangen. Als die Landeklappen aber ungleich ausfahren stürzt die Maschine in die Berge nördlich des Fujis. 520 Menschen sterben: der tötlichste Absturz der Geschichte, aber vier überleben. Der hintere Schott der Druckkabine war gebrochen. Der untere Teil war sieben Jahre zuvor nach einem Tailstrike ersetzt und unsachgemäß zusammengesetzt worden. Die Schottexplosion zerriss einen Großteil des Seitenruders und alle vier Hydrauliksysteme. Als Folge verfügen Flugzeuge nun über Hydrauliksicherungen, was den vollständigen Verlust der Flüssigkeit verhindert und die Systeme werden räumlich voneinander verteilt verlegt.
Maschine mit Makel
2011: Die Turboproppropeller einer Dash 8 geben beim Anflug auf Madang, Papua-Neuguinea kreischende Geräusche von sich und fallen aus. Die Notlandung in einem Flussbett überleben von 32 Insassen nur die Crew und ein Passagier. Die Piloten hatten weder Fahrwerk noch Landeklappen ausgefahren. Der Verdacht fällt auf eine zu hohe Propellerdrehgeschwindigkeit, die sie zerstörten. Es gibt allerdings drei Systeme, die genau das verhindern sollen. Die Ermittler entdecken, dass die Systeme nicht greifen, wenn der Pilot den Schubhebel in den Geschwindigkeitmodus für Bodennavigation einstellt. Das soll wiederum ein Mechanismus verhindern, der gedrückt werden muss, um den Modus zu wechseln, der allerdings leicht versehentlich aktiviert werden konnte. Die FAA adressierte das Problem bereits 10 Jahre zuvor, allerdings nur für die USA. Außerdem konfigurierten die Piloten das Flugzeug nicht für eine Notlandung und landeten mit einer viel zu hohen Geschwindigkeit.
Kontrollverlust über Lissabon
2018: Eine Embraer ERJ-190 soll nach Wartungsarbeiten in Lissabon in die Heimat zurückkehren. Nach dem Abflug ist sie aber kaum kontrollierbar und rollt extrem zu den Seiten. Nach einiger Zeit finden Piloten und Ingenieure an Bord heraus, dass die Kabel zu den Querrudern falsch herum installiert worden sein müssen. Mit dieser Information und nach zwei Stunden Irrflug schaffen die Piloten es die Maschine mit einigen Schwierigkeiten auf dem Stützpunkt Beja zu landen. Die Ermittlungen decken eine Umrüstung zu weniger verschleißanfälligen Kabeln auf, allerdings nach einer schwer verständlichen Anleitung des Herstellers. Ob das System nach der Installation ordnungsgemäß funktionierte, wurde nicht ausreichend aufmerksam getestet und der Flugcomputer ersetzt, der eine generelle Fluguntüchtigkeitswarnung ausgab. Als Folge überarbeitete Embraer seine Anleitungen und die Übergabechecks nach Wartungen wurden strenger.
Katastrophe im Cockpit
2018: Während des Flugs einer Airbus A319 nach Lhasa, birst die Windschutzscheibe und der Copilot wird teilweise aus dem Flugzeug gesogen. Dabei drückt der Copilot den Sidestick stark nach vorne. Der Pilot kann die Maschine stabilisieren und bringt sie auf eine tiefere Flugfläche. Dadurch kann der verletzte Copilot zurück ins Cockpit kommen. Bei großer Kälte, beschädigten Systemen, darunter die Schubumkehr und einer halben Tonne Übergewicht des Flugzeugs gelingt dem Piloten die manuelle Landung. Die Ermittler stoßen auf Korrosion innerhalb der elektrischen Scheibenheizung, die hier zu extremer Erhitzung führte. Hierdurch konnten Spannungen zwischen den drei Schichten der Scheibe entstehen. Außerdem schlug die Cockpittür durch die Dekompression gegen die Sicherungen, die Systeme deaktivierten. Als Folge wurden an den Sicherungen gearbeitet und die Kontrolle gegen Feuchtigkeit strenger.
Traumreise ins Desaster
2017: Eine britische Miliardärsfamilie startet in einem DHC-2-Wasserflugzeug aus einer Bucht mit nahen Hügeln in der Nähe von Sydney. Das Flugzeug schafft es nicht genug Höhe zu gewinnen und stürzt nach einem Ausweichmanöver ins Wasser. Alle sieben Insassen sterben. Das Flugzeug wird geborgen und intensive Ermittlungen aufgenommen. Dennoch benötigen die Ermittler zwei Jahre, um die Ursache an einer gebrochenen Abgasleitung und einer Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung der Insassen festzumachen. Dennoch konnte das Gas nur durch kleine Öffnungen fehlender Bolzen in die Kabine strömen. Zuvor absolvierte Flüge trugen zur Hämoglobinsättigung bei, aber besonders eine angelehnte Tür während Manövrierung am Boden zuvor schuf eine Strömung, die das Gas in die Kabine saugte. Die Behörden ordnen sofortige Arbeiten an der Flugzeugflotte der Chartergesellschaft an und empfehlen CO-Detektoren.
Tödliche Täuschung
1983: Vier Entführer an Bord einer Antonow An-24 wollen die Crew der Balkan Bulgarian Airlines von Sofia nach Varna mit vorgehaltenen Messern zur Umkehr nach Wien zwingen. Dafür ist nicht genug Treibstoff an Bord. Die Entführer lehnen aber die Alternativroute nach Istanbul ab und die bulgarischen Behörden machen gleichzeitig Druck auf die Piloten den Flug nach Varna fortzusetzen. Als ein Entführer die Stewardess verletzt, versuchen die Piloten diese mit einer 360°-Wende und Warteschleifen davon zu überzeugen, dass auf ihre Forderungen eingegangen wurde. Da Varna durch seine Lage an der Küste klar von Wien zu unterscheiden ist, kappen die Behörden um etwa 20 Uhr die Stromversorgung der Stadt. Nach der Landung schicken sie außerdem zwei deutsch sprechende Flughafenmitarbeiter an Bord, allerdings mit teils bulgarischer Uniform. Die Scharade fliegt auf. Nur mit Glück können die das Flugzeug stürmenden Polizisten den Entführer erschießen, der die Stewardess töten will.
Ausgeliefert
2019: Ein Boeing 767-Frachtflugzeug befindet sich beim Anflug auf Houston und stürzt in die Trinity Bucht. Die Ermittler finden heraus, dass der Pilot während der Aktivierung der Luftbremse versehentlich den Durchstarten-Modus aktivierte. Bei wolkenbedingt geringer Sichtweite war der Copilot disorientiert und ging von einem Strömungsabriss aus. Anders als von einem Piloten erwartet, achtet er dabei nicht auf die Instrumente. Der Copilot zeigte in der Vergangenheit bei mehreren Fluggesellschaften keine ausreichende Leistung für den Pilotenberuf, schaffte es aber immer wieder durch Verheimlichung früherer Misserfolge erneut angeheuert zu werden. Die Einführung einer Piloten-Datenbank wurde nach dem Unfall beschleunigt.
Absturz über dem Mittelmeer
2016: Eine A320 stürzt auf dem Flug von Paris nach Kairo bei Griechenland aus 11.300 Metern Höhe in einer steilen Spirale ins Mittelmeer. Es gab keinen Notruf. Fehlermeldungen und Sprachrekorder decken einen Brand hinter dem Cockpit auf. An diesem Punkt reißen die ägyptischen Berhörden allerdings die Ermittlungen an sich, um ihre Sichtweise eines terroristischen Anschlags zu bestätigen. Sie verstoßen damit gegen das Abkommen über die Internationale Zivilluftfahrt, also gegen das Völkerrecht. Eine Zeitung in Frankreich trägt 2022 Indizien zusammen, dass die Absturzursache ein Brand war. Egypt Air ist eine der wenigen Fluggesellschaften, die es den Piloten noch erlaubte im Cockpit zu rauchen. Sie finden darüber hinaus heraus, dass drei Tage vor dem Flug die Sauerstoffmasken ausgetauscht wurden und diese sich seitdem im Notfall-Modus befanden, sie also mit mehr Sauerstoff versorgt wurden. Eine Maske hinter dem Copiloten gab Sauerstoff ab; ein Brandbeschleuniger. Diese beiden Komponenten vermuten die Franzosen hinter der Katastrophe. Kabelbrand ist eine andere Möglichkeit. Das Verhalten der ägyptischen Behörden macht eine eindeutige Ermittlung und Bekämpfung der Gefahrenquelle aber unmöglich.